Die Energieeinsparpotenziale im Bereich der Immobiliennutzung sind enorm, liegen bislang allerdings meist brach. Wie es auf dieser Klimaschutzbaustelle vorwärts gehen könnte, zeigt ein Projekt im thüringischen Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Gemeinsam mit kompetenten lokalen Partnern wurden mehr als 300 kommunale Gebäude energetisch durchleuchtet. Ergebnis: Mit einfachen Maßnahmen lassen sich die Energiekosten im Schnitt um etwa ein Viertel senken. Das Beispiel sollte flächendeckend Schule machen, meint Dr.-Ing. Dirk Schramm von der IfE GmbH, die den operativen Part des Projektes unterstützt hat. Er hat dabei Stadtwerke und Energieversorger im Blick, für die Energieberatung dieser Art ein ideales Betätigungsfeld sei.
Kommunen müssen Vorbilder für effiziente Energienutzung sein, das verlangt unter anderem das Energiedienstleistungsgesetz. In der Praxis allerdings sieht das bislang anders aus. Noch bleibt das in kommunalen Gebäuden steckende enorme Potenzial für Energieeinsparungen weitestgehend ungenutzt. Vielen Bürgermeistern und Kämmerern ist zwar bewusst, dass die Steigerung der Energieeffizienz enorme Kostenentlastungen bewirken kann und dass oft kleine Veränderungen (z.B. hydraulischer Abgleich, Heizungsregelung, Dämmung von Heizungsrohren, optimiertes Lüftungsverhalten) genügen, um schnell Erfolge zu erzielen. Doch das mit Aufgaben prall gefüllte Tagesgeschäft sowie fehlende personelle und finanzielle Kapazitäten machen es schwer bis unmöglich, gezielt tätig zu werden
Innerhalb von zwei Jahren 300 Gebäude analysiert
Wie man diesen Teufelskreis durchbrechen kann, zeigt ein Beispiel aus Thüringen. Mit dem explizit formulierten Ziel, für Bürger, Kommunen und Wirtschaft Vorbild zu sein, hat der Landkreis Schmalkalden-Meiningen innerhalb von zwei Jahren mehr als 300 Gebäude energetisch analysieren lassen. Im Frühjahr 2009 beauftragte der Landkreis die Thüringer Energieeffizienzgenossenschaft (TEG) zunächst mit der Analyse von 124 kreiseigenen Gebäuden, überwiegend Schulen und Turnhallen. Im Winter 2009/10 waren die Kommunen des Landkreises Schmalkalden-Meiningen aufgerufen, einen Teil ihrer Gebäude energetisch untersuchen zu lassen. Hier wurden 186 kommunale Liegenschaften in 13 Verwaltungsgemeinden analysiert.
Die Auswahl der Gebäude lag in den Händen des Landkreises bzw. der Kommunen. Die TEG beauftragte das Ingenieurbüro für Energiewirtschaft Dr.-Ing. Dirk Schramm (IfE GmbH) aus Meiningen mit der Durchführung der Arbeiten. Die Untersuchung bestand jeweils aus mehreren Thermografie-Aufnahmen und einem Gebäudeenergiecheck. Die IfE GmbH übernahm die Steuerung des gesamten Prozesses von der Datenaufnahme bis zur Erstellung und Aushändigung der Berichte.
Intelligente elektronische Datenerfassung
Von jedem Gebäude wurden in den Abend- und Nachtstunden mehrere Thermografie-Aufnahmen angefertigt. Anhand der Wärmebilder konnten energetische Schwachstellen in der Gebäudehülle identifiziert werden. Gemeinsam mit den verantwortlichen Ansprechpartnern für das betroffene Gebäude wurden bei den folgenden Ortsbegehungen in einem Erhebungsbogen alle relevanten Daten erfasst
• Baujahr, Gebäudetyp, Bauweise, Lage usw.
• bauphysikalische Daten
• Anlagentechnik
• Nutzerverhalten
Die Datenaufnahme erfolgte mittels Felixx-Pen (siehe Text unten). Der elektronische Stift zur Datenerfassung und eine darauf zugeschnittene Gestaltung des Datenerhebungsbogens ermöglichen es, die Daten vor Ort einzutragen und den Erhebungsbogen sofort nach Bestätigung der Vollständigkeit an den zuständigen Sachbearbeiter zu übermitteln.
Auf Basis der erhobenen Daten und der Auswertung der Thermografie-Bilder wurden die untersuchten Gebäude bewertet und Einsparpotenziale ermittelt, wobei die Verbrauchskennwerte in kWh/m² definiert und mit statistischen Angaben sowie dem EnEV-Referenzwert für den jeweiligen Gebäudetyp verglichen wurden. Für jedes Gebäude entstand ein Bericht, in dem Ergebnisse und Handlungsempfehlungen erläutert werden. In einer weiter führenden Analyse wurden zudem die Einsparpotenziale pro Gemeinde ermittelt und die Gebäude im Landkreis miteinander verglichen, so dass auch ein zusammenfassender Potenzialüberblick im Landkreis zur Verfügung steht.
Heizenergiebedarf ließe sich um ein Viertel senken
Wie sahen die Ergebnisse konkret aus? Bei den Schulen und Turnhallen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen wurde ein jährliches Einsparpotenzial von 4,6 GWh Wärme ermittelt, was einer Reduzierung des Heizenergiebedarfs von 24 % entspricht. In den kommunalen Gebäuden können 27 % bzw. 3,4 GWh Wärme eingespart werden. Wenn alle vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt würden, könnten in Summe jährlich 640.000 € * Heizkosten eingespart werden. Die potenziellen Einsparquoten in den alten Bundesländern können z.T. erheblich darüber liegen, da es sich bei der Heizungstechnik in den untersuchten Immobilien fast ausschließlich um vergleichsweise effiziente Niedertemperaturanlagen handelt, wie sie Anfang der 1990er Jahre Stand der Technik waren. Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen hat inzwischen an mehreren Schulen Sanierungen umgesetzt oder begonnen. Eine erste Auswertung von vier bereits 2010 vollendeten Projekten des Landkreises ergab Einsparungen in Höhe von 600.000 kWh bzw. 48.000 €/a**.
Finanziert wurde das gesamte Projekt vom Landkreis Schmalkalden-Meiningen, für den zumindest durch die Energieeinsparung in den kreiseigenen Gebäuden ein Return on Investment darstellbar ist.
Was im Landkreis Schmalkalden-Meiningen durch das Engagement privatwirtschaftlicher und kommunaler Entscheidungsträger möglich wurde, ließe sich auch bundesweit realisieren. IfE-Chef Dr.-Ing. Dirk Schramm hat eine Idee, wie das flächendeckend möglich wäre: „Stadtwerke und Energieversorger stehen in der Pflicht, Energiesparberatung anzubieten. Ihnen bietet sich hier eine exzellente Möglichkeit, vorhandenes Know-how in Form neuer bzw. spezifischer Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Beispielsweise können Kommunen bei der Planung und Umsetzung energetischer Untersuchungen begleitet, bei der Umsetzung von Maßnahmen beraten und bei der Finanzierung von Maßnahmen unterstützt werden. Gemeinsam können auch Konzepte zur Versorgung mit erneuerbarer Energie oder Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung entwickelt werden. Bei der Umsetzung der Maßnahmen können qualifizierte regionale Marktpartner der Stadtwerke eingebunden werden. Mit diesen Angeboten könnte man nicht nur Kommunen adressieren, sondern genauso Industriebetriebe und Privathaushalte.“
Klassische Win-Win-Situation
Alle hätten etwas davon: Die Versorger würden nicht nur ein neues Geschäftsfeld erschließen, sondern könnten in der Öffentlichkeit mit vorzeigbaren Projekten Verantwortungsbewusstsein und Zukunftsorientierung unter Beweis stellen – ein ideales Feld zur Imageoptimierung und Kundenbindung. Gleiches gälte für die Immobilienbetreiber, die zudem durch verringerte Energiekosten profitierten.
Das Beispiel in Thüringen liefert den Beweis, dass dieses Konzept in der Praxis funktioniert. Allerdings muss konzeptionell und methodisch gearbeitet werden. „Standardisierte Prozesse und die Qualitätssicherung der Ergebnisse sind eine grundlegende Voraussetzung, um zuverlässig bewert- und vergleichbare Daten für alle Beratungen zu erhalten“, so Schramm. Noch wichtiger sei allerdings, dass sich die Blockade beim Handeln endlich löse. „Die Drosselung des Heizenergiebedarfs um durchschnittlich etwa ein Viertel ist ein Quantensprung für die Umwelt und letztlich für jeden Geldbeutel. Das gewaltige Einsparpotenzial zu erschließen, müsste allen Beteiligten Anreiz genug sein. Es wird Zeit, dass der Markt aufwacht.“
Intelligenter Stift für die mobile Welt der Energieversorger
Prozesse im Netzbetrieb und -service werden immer noch von einer Vielzahl von Formularen beherrscht. Oft gehen Unterlagen unterwegs verlorenen, was später die Bearbeitung von Projekten behindert und verzögert. Der Felixx-Pen der CRP Informationssysteme GmbH aus Bodenheim verhindert Datenverluste und beschleunigt die Arbeitsabläufe. Schlüssel dafür ist die patentierte Anoto-Technologie. Deren Funktionalität basiert auf einem Muster aus kleinen Punkten, das mit einem Standarddrucker auf normales Papier gedruckt werden kann und fast unsichtbar ist. Beim Notieren und Zeichnen mit dem Pen transferiert diese Funktionalität nicht nur handschriftliche Aufzeichnungen in digitale Inhalte zur Weiterverarbeitung in nachgeordneten Systemen, sondern hält auch die Position der Informationen auf dem Blatt fest (zum Beispiel in einer hinterlegten Tabelle). Das ausgefüllte Formular muss nicht mehr gescannt werden, sondern kann aus dem Datenspeicher im Pen entnommen und mit gängigen Dokumentenaustauschverfahren – z. B. per Handy – sofort den zuständigen Adressaten zur Verfügung gestellt werden.
* Bewertet mit dem Heizölpreis mit Stand August 2011.
** Bewertet mit dem Heizölpreis mit Stand August 2011.
Erschienen in BWK 09/2011 - www.ebwk.de
Kontakt und weitere Informationen:
Dr.-Ing. Dirk Schramm
Geschäftsführer
IfE - Ingenieurbüro für Energiewirtschaft GmbH
Landsberger Straße 18a
98617 Meiningen
Tel.: 0 36 93 / 88 00 9 - 0
Fax: 0 36 93 / 88 00 9 - 99
E-Mail: info@ifegmbh.de
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